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Karma

(ergänzend am 08.11.14)

 

Was ist Karma ?

Eine ohne Zweifel sehr interessante Frage. 

Die Antwort vergleichsweise simpel. Daher die Kurzfassung meiner genauso simplen Erklärung für einen eigentlich hoch komplexen Bereich des Seins. Karma, das Sammelsorium all unserer Handlungen bzw. Taten, Gedanken, Reden, auch natürlich vergangener Leben, repräsentieren sich in Konsequenz all unserer scheinbaren, momentanen Möglichkeiten des Seins im jetzt. 

In der Physik akzeptieren wir Aktion – Reaktion bzw. das Prinzip der Kausalitäten und genauso verhält es sich auch im menschlichen Leben oder im Leben generell. Ein bisschen dezidierter in der Definition von positiven bzw. negativen Karma habe ich gefunden bei Rinpoche Tenzin Wangyal.

 

 

Negatives Karma 

Wenn wir mit negativen Gefühlen auf eine Situation reagieren, wird die in uns zurückbleibende Spur irgendwann ausreifen und eine Situation im Leben negativ beeinflussen. Wenn z.B.jemand ärgerlich auf uns ist, und wir dann selbst böse werden, bleibt davon eine Spur zurück, die unsere Neigung, ärgerlich zu werden,verstärkt und außerdem die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass wir in Situationen geraten, die unseren Ärger auslösen. Das ist leicht zu sehen, wenn es in unserem Leben viel Zorn und Ärger gibt oder wir jemanden kennen, bei dem das so ist. Ärgerliche Menschen geraten ständig in Situationen, die ihren Ärger zu rechtfertigen scheinen, und das ist bei weniger zum Ärger neigenden Menschen nicht so. Die äußeren Umstände müssen sich gar nicht so sehr unterscheiden, aber die jeweiligen karmischen Neigungen sorgen dafür, dass sie in ganz verschiedenen Welten leben. 

Wenn man einer Emotion impulsiv nachgibt, kann sie starke Reaktionen und entsprechende Folgen nach sich ziehen. Zorn kann zu Handgreiflichkeiten oder anderen destruktiven Aktionen führen. Dabei können Menschen körperlich oder psychisch verletzt werden. Und das gilt nicht nur für Zorn. Wer seiner Furcht in dieser Weise nach gibt, kann in große Bedrängnis geraten, sich anderen entfremden und so weiter. Es ist leicht zu sehen, dass das zu negativen Spuren führen muss, die die Zukunft negativ beeinflussen. 

Wenn wir Gefühle unterdrücken, bleibt trotzdem eine negative Spur. Unterdrücken ist eine Ausdrucksform des Nicht-Mögens. Wir „reissen uns zusammen“, verstecken etwas hinter einer Tür und schließen sie ab, schieben eine Seite unserer Erfahrung ins Dunkle, wo es - scheinbar in feindseliger Absicht – darauf wartet, dass es auf geeignet, sekundäre Ursachen hin doch wieder losschlagen kann. Das kann auch mancherlei Weise geschehen, wenn wir beispielsweise unsere Eifersucht auf andere unterdrücken, wird es sich vielleicht schließlich als Gefühlsausbruch Luft verschaffen, oder sie zeigt sich als hartes Urteil über andere, auf die wir insgeheim eifersüchtig sind (ohne es uns selbst einzugestehen). Solches Urteilen ist ebenfalls ein Handeln und da es auf Aversion beruht erzeugt es negativen, karmischen Samen.

 

 

Positives Karma 

Wir sind aber zu diesen negativen Verhaltensweisen – in unserem Verhalten von karmischen Tendenzen getrieben zu sein, oder sie zu unterdrücken - keineswegs gezwungen. Wir können einen Augenblick inne halten und mit uns selbst zu Rate gehen um eine Mittel gegen unsere negativen Emotionen zu finden. Wenn jemand böse auf uns ist und uns dann selbst der Ärger packt, heisst das Gegenmittel Mitgefühl. Anfangs mag es sich gezwungen und unecht anfühlen, solch ein Gefühl in sich heraufzubeschwören, doch wenn uns klar wird, dass der Mensch, der uns ärgert, nur willenlos seiner eigenen Konditionierung unterliegt und an einer Bewusstseinstrübung leidet, weil er ein Gefangener seines negativen Karma ist, empfinden wir zumindest schon ein wenig Mitgefühl und beharren nicht mehr ganz so wie früher auf unseren negativen Reaktionen. Damit beginnen wir unsere Zukunft positiver zu gestalten. 

Diese neue Reaktionsweise, auch wenn sie nach wie vor auf Begierde (nach Tugend, nach Friede, nach spirituellem Wachstum) beruht, erzeugt eine positive karmische Spur. Wir haben die Saat des Mitfühlens gelegt. Wenn wir jetzt wieder einmal mit Ärger konfrontiert sind, werden wir schon eher mitfühlend reagieren, und darin fühlen wir uns wohler, weil es hier mehr Raum gibt als in der Enge zorniger Reaktion zum Schutz des eigenen Ich. Durch die Übung dieses positive Verhaltens konditionieren wir uns allmählich um, sodass uns – wunderbarerweise – Außen wie Innen immer weniger Ärger begegnet. Wenn wir in dieser Übung nicht nachlassen, wird unser Mitgefühl schließlich spontan und ohne jedes Bemühen in uns entstehen. Von dieser Auffassung des Karma her, können wir unseren Geist gleichsam umschulen, so dass er jede Erfahrung, auch die persönlichsten und flüchtigsten Tagträume, für unsere spirituelle Praxis nützen kann.

 

Hierzu ließe sich noch seitenlang vortragen. Darüber sind zahllose Werke von wesentlich kompetenteren Personen wesentlich kompetenter formuliert worden.

 

 

Die Emotionen befreien

Mit negativen Emotionen werden wir am besten dadurch fertig, dass wir im nicht dualen Gewahrsein bleiben, frei von Mögen und Nichtmögen, und sie dadurch sie selbst befreien lassen. Wenn uns das gelingt, zieht das Gefühl nur durch uns hindurch, wie ein Vogel, der durch die Luft fliegt - keine Spur bleibt zurück. Das Gefühl bildet sich und löst sich spontan in Nichts auf.

Der karmische Samen manifestiert sich hier zwar - als Gefühl oder Gedanke, als körperliche Empfindung oder Impuls zu einem bestimmten Verhalten -, aber wir reagieren weder mit Festhalten noch mit Abwehr und so entsteht keine Same künftigen Karmas. Jedes mal wenn wir beispielsweise den Neid einfach zulassen und sich dann wieder auflösen lassen, weil wir ihm weder nachgeben noch ihn zu unterdrücken versuchen, wird unser karmischer Hang zum Neid ein wenig mehr geschwächt. Er bekommt keine weitere Nahrung. Durch dieses Befreien unserer Emotionen wird das Karma an der Wurzel abgeschnitten. Es ist, als würden wir die karmischen Samen verbrennen, bevor sie wachsen und in unserem Leben Schaden anrichten können.

Man könnte fragen, warum das Befreien der Emotionen besser ist, als positives Karma zu erzeugen. Die Antwort liegt darin, das salle karmischen Spuren uns eher einengen, auf bestimmt Identitäten festlegen. Ziel des Pfades ist jedoch die vollkommene Befreiung von allen Konditionierungen. Das bedeutet freilich nicht, dass es positive Züge, wie etwa Mitgefühl, nach der Befreiung nicht mehr gibt. Wenn wir jedoch nicht mehr von karmischen Neigungen getrieben sind, können wir unsere Situation klar sehen und spontan und angemessen reagieren, anstatt in diese Richtung geschoben oder in jene gezogen zu werden. Aus positiven karmischen Tendenzen erwachsendes Mitgefühl ist sicherlich sehr gut, aber immer noch relativ; besser ist das absolute Mitgefühl, das mühelos und in vollkommener Weise in einem von karmischen Prägungen befreiten Menschen entsteht. Es ist weit und schließt alles ein; es ist frei vom Wahn der Dualität und daher wirksamer.

Am besten ist es also, alle Emotionen sich selbst befreien zu lassen, doch das ist schwierig, solange unsere Praxis noch nicht eine gewisse Reife und Stabilität erreicht hat. Aber wie es um unsere Praxis auch bestellt sein mag, jeder kann sich dazu entscheiden, beim Aufwallen von Emotionen einen Augenblick inne zu halten, in sich zu gehen und dann so sinnvoll wie möglich zu handeln. Wir alle können lernen, die Macht der Impulse, der karmischen Gewohnheiten ein wenig zu schwächen. Und wir können uns daher einer gedanklichen Hilfe bedienen: Wir sagen uns, dass Alles, was wir erleben, einfach das Reifwerden früherer karmischer Spuren ist. Dann lässt unsere Identifikation mit diesem Gefühl oder jener Anschauung vielleicht ein wenig nach und wir brauchen keine so starke Abwehrhaltung. Mit dem Knoten der Emotionen löst sich auch der Panzer unserer Identität ein wenig. Er wird geräumiger. Jetzt können wir positivere Reaktionen wählen und positives Karma säen. Noch einmal: Das hat zu geschehen, ohne dass wir Emotionen unterdrücken. Wir sollten bei diesem Erzeugen von Mitgefühl gelöster werden, aber nicht den Zorn in unseren Körper abdrängen und dabei gute Gedanken zu denken versuchen.

Die spirituelle Reise soll nicht erst in fernen der Zukunft oder im nächsten Leben Früchte tragen. In dem wir positivere Reaktionsweisen einüben, ändern wir unsere karmischen Spuren und bilden Eigenschaften heran, die schon in unserem jetzigen Leben positive Veränderungen bewirken. Immer klarer sehen wir, dass jede Erfahrung, wie klein und persönlich sie auch sein mag, Folgen hat; und diese Einsicht können wir nutzen, um unser Leben und unsere Träume zu ändern. 



 

Verdunkelung des Bewusstseins

Karmische Spuren begleiten uns als die psychischen Überreste von allem Handeln aus Mögen und Nichtmögen. Sie sind Verdunkelungen des Bewusstseins, die im Grund-Bewusstsein des Individuums gespeichert werden. Das klingt so, als sei das Grund-Bewusstsein ein Behältnis, aber eigentlich ist es gleichbedeutend mit den Verdunkelungen: Wo keine Verdunkelungen des Bewusstseins sind, gibt es auch kein Grund-Bewusstsein. Es ist kein Ding oder Ort, sondern das dynamische Organisationsprinzip aller dualistischer Erfahrungen. Es ist so substanzlos wie eine Sammlung von Gewohnheiten, aber auch so mächtig wie die Gewohnheiten, die Sprache einen Sinngehalt geben, Formen als Objekte deuten und uns das Dasein als etwas Sinnhaltiges erscheinen lassen, in dem wir uns zurechtfinden und das wir verstehen können.

Die gängige Methaper für das Kunzhi namshe* ist die eines unzerstörbaren Speichers. Wir können uns das Grund-Bewusstsein als einen Speicher von Mustern und Schemata denken. Es ist gleichsam eine Grammatik der Erfahrung, auf die jede unserer äußeren oder inneren, körperlichen oder gedanklichen Handlungen sich mehr oder weniger stark auswirken. So lange es im Bewusstsein des Individuums Gewohnheitstendenzen gibt, existiert auch das Kunzhi namshe. Wenn man stirbt und der Körper zerfällt, bleibt das Grund-Bewusstsein bestehen. Die karmischen Spuren bleiben im Bewusstseinsstrom bestehen, bis sie geläutert werden. Sind sie jedoch alle vollständig geläutert, so existiert das Kunzhi namshe nicht mehr, und der Mensch ist ein Buddha.

 

 

* Kunzhi namshe (tibet. kun gzhi mam shes, Skrt. ãlayvij-ňãna). Kunzhi namshe ist das Grund-Bewusstsein des Individuums. Es ist das „Lager“ oder der Speicher, in dem die karmischen Spuren gelagert werden, die die zukünftige Erfahrung bestimmen.

 

 


(Quelle: Tenzin Wangyal Rinpoche, „Übung der Nacht“, S 38 ff.)

 

 

Zu den Wirkungen des Karmas in dieser Realität werde ich noch ein paar Anmerkungen machen und hier ergänzen.